Maturantenbefragung 1994 / 1995

Welchen Weg haben die Absolventen des BORG nach der Matura eingeschlagen?

Im Herbst dieses Schuljahres wurde eine Umfrage unter allen ehemaligen Maturant/inn/en des BORG Götzis (Jahrgänge 1981 - 1994) gemacht. Das Ziel war es, herauszufinden, wie diese Schulabgänger/Innen rückblickend ihre Ausbildung am BORG einschätzen und was für sie gefehlt hat. Weiters ist es für die Schule natürlich auch sinnvoll, zu wissen, welche Berufswege nach der Matura eingeschlagen werden. Sehr erfreulich war, dass über 90 % der Schüler/innen gerne an die Zeit am BORG zurückdenken. Sie loben das sehr persönliche Verhältnis von Schülern und Lehrern und das positive Schulklima allgemein.

Es wurden 477 Maturant/inn/en angeschrieben (davon sind 8 Briefe nicht angekommen), und wir erhielten 225 ausgefüllte Fragebögen zurück. Die Ergebnisse sind zwar nicht statistisch relevant, weil nur 48 % dadurch erfasst werden, aber es lassen sich doch klare Tendenzen feststellen.

In einer AHS ist es offensichtlich so, dass sehr viele nach der Matura ihre Ausbildung an der Universität fortsetzen. Auffällig ist aber auch, dass 20 % der Maturant/inn/en die PÄDAK besuchen.

Im Folgenden eine kurze, grobe Übersicht über die Ausbildungswege:

Universität: 50 %

Kurzstudien:

  • PÄDAK: 20 %
  • Kollegs: 14 %
  • Krankenpflege: 5 %

Lehre: 4 %

Direkter Berufseinstieg: 4 %

An der eigentlichen Berufswahl zeigt sich dann, wie vielfältig die Möglichkeiten - bei entsprechender Information nach der Matura sind. Wenn man die Ausbildungswege betrachtet, scheint die Wahl sehr einheitlich zu sein, aber dahinter verbergen sich über 60 verschiedene Berufe. Eine kurze Liste von Berufen, die von den Schulabsolvent/inn/en gewählt wurden, soll dies verdeutlichen:

  • Architekt
  • Arzt
  • Disponent
  • Einkäufer
  • Goldschmied
  • Importsachbearbeiter
  • Jurist
  • Konstrukteur
  • Freischaffender Künstler
  • Masseur
  • Meteorologe
  • Musiker
  • Physiotherapeut
  • Raumplaner
  • Restaurantleiterassistent
  • Selbst. Graphic Designer
  • Swiss-Air-Fluglinienangestellte
  • Touristikkauffrau
  • Tontechniker
  • Verkäufer

Hier scheint aber für viele ehemalige Schüler/innen das Hauptproblem zu liegen. Auffällig viele beklagen, dass die Berufsinformation nicht ausreichend war. Sie fordern Schnuppertage, Exkursionen und praxisorientierten Unterricht. Dem ist entgegenzuhalten, dass unsere Bildungsberaterin Prof. U. Ebenhoch immer wieder feststellen muss, dass relativ wenige Schüler/innen während ihrer Zeit am BORG bereit sind, sich wirklich aktiv mit der Frage zu beschäftigen, welchen Ausbildungs- und Berufsweg sie nach der Matura gehen wollen. Im Verlaufe der Oberstufe gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten: So hat Prof. Ebenhoch z.B. jede Woche eine Sprechstunde als Bildungsberaterin, in der jede/r einzelne Schüler/in Informationen bekommen kann. Die Schüler/innen erhalten von der 5. Klasse weg Berufsinformationen. Am Ende der 7. Klasse und am Anfang der 8. Klasse kommt ein Berufsberater vom Arbeitsamt an die Schule, und am Beginn der 8. Klasse findet  jährlich der Maturantentag im Schloß Hofen statt. Alle diese Angebote jedoch führen sicherlich nicht zu einem positiven Ergebnis, wenn man sie einfach passiv konsumiert.

Rückblickend schätzt ein sehr hoher Prozentsatz der Absolvent/inn/en die Allgemeinbildung, die sie im BORG vermittelt bekommen haben. Entsprechend der von ihnen gewählten weiteren Ausbildung wird auch die Bedeutung einzelner Fächer betont. Vor allem Ex-Maturant/inn/en, die technische bzw. wirtschaftliche Berufsrichtungen eingeschlagen haben, kritisieren hier, dass sie zuwenig Fachwissen vermittelt bekommen haben. Hier stellt sich die Frage, ob diese Schüler/innen sich nicht von vornherein schon für den falschen Schultypus entschieden haben, denn Allgemeinbildung und spezielles Fachwissen gleichzeitig zu vermitteln, das ist in einem BORG natürlich nicht möglich. Ein Teil von ihnen schätzt unter anderem auch, dass man im BORG sehr schnell die Studienberechtigung erlangen kann und dass die Berufswahl bis zur Matura offen bleibt.

Ein kleiner Prozentsatz der Befragten gibt an, Irrwege eingeschlagen zu haben oder “gescheitert“ zu sein. Neben persönlichen Gründen (familiäre Probleme, Schwangerschaft, Unvereinbarkeit von angestrebtem Beruf und Familie etc.) begründen sie dies damit, dass im Studium zu hohe Anforderungen gestellt wurden, dass das Studienklima sehr schlecht war und sie ungenügend motiviert waren. Offensichtlich wirkte sich hier auch die mangelnde Berufsinformation aus, denn sie geben ebenfalls an, erst zu spät festgestellt zu haben, dass ihre Berufswahl falsch war, dass die Berufsaussichten zu schlecht waren oder dass sie einfach ganz falsche Vorstellungen vom Studienfach hatten.

Diese Maturantenbefragung zeigt, wie wichtig es ist, bezüglich der Berufswahl gut informiert zu sein. Wählt man den richtigen Beruf, dann treten viele Probleme später gar nicht auf, und es erhöhen sich die Erfolgsaussichten. Am BORG Götzis gibt es eine Bildungsberaterin, doch das alleine genügt noch nicht. Sie kann nur beraten und Informationen liefern. Der Schüler oder die Schülerin muss aber auch selbst -  und zwar frühzeitig! - aktiv werden. Der Konflikt zwischen Allgemeinbildung und Spezialisierung, der in den Umfrageergebnissen sichtbar wird, ist leider auch mit der Einführung der Wahlpflichtfächer nicht ganz lösbar.