Maturantenbefragung (Jahrgänge 1991 bis 2003)

Das BORG Götzis führte in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Umfrage unter Maturanten durch.Insgesamt wurden 517 Absolventen angeschrieben. 28 Briefe waren nicht zustellbar. Wir erhielten 169 Rückmeldungen, was ca. einer Rücklaufquote von 34 % entspricht. Aufgrund der Anonymität können wir nicht zuordnen, welche Schüler nun geantwortet haben, weshalb das Ergebnis statistisch nicht wirklich interpretierbar ist. Es zeigt jedoch sicher Tendenzen auf. Wir wissen auch nicht, weshalb die restlichen Absolventen nicht an der Befragung teilnahmen. Auch dafür kann es unterschiedliche Gründe geben (Desinteresse, technische Probleme, Persönliches, ...). Bei den persönlichen Bemerkungen zur Schule fiel auf, dass die positiven Bemerkungen sehr einheitlich waren, weshalb die Zusammenfassung recht kurz ist. Die negativen Bemerkungen sind viel differenzierter und individueller, weshalb sie in der Zusammenfassung viel mehr Platz beanspruchen. Man kann also von dem Raum, den die Zusammenfassung beansprucht, nicht direkt auf die Häufigkeit der Nennungen schließen! Im Gegenteil, gerade bei den negativen Bemerkungen werden die einzelnen Punkte meist nur von 1 bis 2 Absolventen genannt.

Anmerkung: Wir haben für diese Umfrage den Fragebogen des BG Gallus übernommen.

 

Generelle Einschätzung des BORG

 

Die Absolventen hatten anfangs die Möglichkeit, das BORG Götzis generell einzuschätzen. Dieser Teil der Befragung war in 4 Punkte unterteilt. Sie konnten ganz bzw. eher zustimmen oder eher bzw. ganz verneinen.

1. Einschätzung des Unterrichts

In diesem Bereich findet jede Aussage eine Zustimmung von über 50 % bei sehr geringer klarer Verneinung. 92,3 % stimmen zu bzw. eher zu, dass man am BORG Götzis mit einem breiten Allgemeinwissen ausgestattet wird. Dann nimmt die Zustimmung kontinuierlich ab, wobei vor allem der Ja-Anteil stark abnimmt. 79,4 % sind der Ansicht, dass sie das für ihre Ausbildung nötige Grundlagenwissen erlangt haben. 70 % fühlten sich nach der Matura hinsichtlich ihrer Fremdsprachenkenntnisse gut bzw. eher gut gerüstet. 63 % bejahen eher, dass die Lehrer bestrebt waren, das Denken in Zusammenhängen zu fördern bzw. die Schüler über ihre Fachgrenze hinaus denken zu lassen, aber der Ja-Anteil liegt hier nur noch bei 13,53 %. Ähnlich ist die Reaktion auf die Behauptung, dass die Schüler angeleitet wurden, vorhandenes Wissen selbstständig auf andere Situationen zu übertragen. Hier stimmen nur noch 56,47 % (eher) zu.

2. Praktische Fertigkeiten als Basis der weiteren Ausbildung

Hier polarisieren sich die Einschätzungen stärker. Immer noch sehr hoch ist die Zustimmung zur Aussage, dass der Schüler alles in allem gut auf ihren weiteren Ausbildungsweg vorbereitet wurden: 80,11 % wählen hier „ja“ bzw. „eher ja“. Mit 68,42 % stimmen die Absolventen auch eher der Aussage zu, dass sie gelernt haben, ihre schulische Arbeit effektiv zu organisieren, wobei hier doch fast 9 % verneinen. Eine leicht geringere Zustimmung (63,85 %) findet die Behauptung, dass die Absolventen darauf vorbereitet wurden, mit Hilfe von Fachbüchern zu lernen. Geteilt sind die Ansichten bei den Fragen 2 und 4. Eine leichte Mehrheit findet noch, dass man gelernt hat, Arbeitsergebnisse zu präsentieren, während dann umgekehrt eine leichte Mehrheit findet, dass man keine Strategien zur gezielten Informationssuche gelernt hat. Hier ist vor allem auch der Nein-Anteil höher als bei den restlichen Fragen (ca. 10 % bzw. 14%).

3. Beiträge zur Persönlichkeitsbildung

Eine Zustimmung von über 80 % finden die Behauptungen 1, 2, 4 und 8. Ein Großteil der Absolventen denkt also, dass sie durch die schulischen Anforderungen lernten, mit Belastungen fertig zu werden, dass sie kritisch zu denken lernten, dass sie eine Sensibilität für ihre Verantwortung gegenüber den Mitmenschen, der Umwelt und der Zukunft entwickelten und dass sie Fairness und Toleranz im Umgang mit anderen lernten.

  • Über 70 % stimmen (eher) zu, dass sie durch die Schule lernten, Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen und sich ein realistisches Bild von ihren Stärken und Schwächen zu machen.
  • Die restlichen Behauptungen finden eine Zustimmung von über 60 %. Hier sind die Verneinungen in zwei Punkten jedoch auch recht hoch.
  • In der Schule wurde meine Teamfähigkeit trainiert: 62,57 % wählt (eher) ja.
  • Meine Kreativität wurde gefördert: 61,40 % entscheidet sich für (eher) ja, aber fast 10 % verneinen das.
  • Ich lernte mit Konfliktsituationen konstruktiv umgehen: 69 % votieren für (eher) ja.
  • Die LehrerInnen trugen im Großen und Ganzen dazu bei, mein Selbstbewusstsein zu stärken: 60,24 würden dem (eher) zustimmen, aber fast 16 % verneinen das.
  • Durch die Schule lernte ich, meine Begabungen und Interessen kennen und konnte sie entwickeln: 67,25 % denken, dass das eher stimmt.

4. Zusammenfassende Einschätzung

In diesem Abschnitt wird versucht auszuloten, welche Begriffe die Absolventen mit dem BORG verbinden. Hier ist der Anteil jener, die sich der Antwort enthielten mit nahezu 9 % recht hoch. Eine hohe Zustimmung gibt es dafür, dass das BORG Götzis als ein Ort der Wissensvermittlung (87,57 %) erlebt wurde. 85,8 % haben das BORG auch eher als positiv erlebt und 78,10 % würden das BORG weiterempfehlen. Eine mehr als 70%-ige Zustimmung fanden auch Begriffe wie „menschliches Miteinander“ (75,14 %), „Freude“ (79,29 %), „persönliche Bereicherung“ (73,97 %). Nur knapp über die Hälfte empfinden aber, dass das BORG ein Ort der Persönlichkeitsbildung ist (57,39 %), wobei das von 10 % klar verneint wird. Eine klare Mehrheit von über 70 % verbindet das BORG nicht mit Begriffen wie „Angst“, „häufige Frustration“ oder „Konkurrenz“. Knapp mehr als ein Drittel haben jedoch Leistungsdruck empfunden (bei 55,40 % Ablehnung).

Die Stärken und Schwächen des BORG

Man hat beim Lesen der folgenden Kommentare teilweise den Eindruck, dass hier ein Widerspruch zu den vorhergehenden Einschätzungen besteht. Generell tritt die Kritik bei den persönlich verbalisierten Beurteilungen stärker in den Vordergrund. Während bei den vorhergehenden Punkten eher allgemeine Einstellungen ausgedrückt wurden, hat man bei den Stärken und Schwächen vermutlich oft eher an spezielle Situationen bzw. Lehrer gedacht hat. Es gibt nur zwei Absolventen, die alle Lehrer generell als schlecht empfunden haben. Ein Absolvent bemerkte, dass er damals die Lehrer zwar eher nicht gemocht hat, dass er aber doch im Allgemeinen einen guten Eindruck von der Schule hat. Einzelne verbinden gar nichts Negatives mit dem BORG. Es gibt auch einige Absolventen, die sich dazu nicht geäußert haben.

1. Bemerkungen zur Lage der Schule, der Schule selbst und der Atmosphäre in der Schule

Die Lage und der Zustand der Schule sind für einige Absolventen positiv behaftet. Einige lebten in der nächsten Umgebung. Durch das relativ kleine Einzugsgebiet sei auch schon eine Vorauswahl für die Schüler, die die Schule besuchen, gegeben. Für einen Absolventen war die Nähe zum Möslestadion sehr wichtig. Die „schöne und helle“ Schule sei schön im Grünen eingebettet. Ein anderer Absolvent schreibt, dass es eine Freude war, am Morgen in dieses Gebäude zu gehen. Die Infrastruktur, die Bibliothek und der Computerraum werden teils positiv hervorgehoben. Die Ausstattung wird auch positiv bewertet („moderne Schule“, „notwendige Lehr- und Lernressourcen sind vorhanden“). Vereinzelt wird auch das Kiosk, Willi und seine Semmel besonders hervorgehoben.

Die Größe der Schule wird von sehr vielen Absolventen positiv hervorgehoben, denn für viele hat sie positive Auswirkungen auf die Schulatmosphäre. Einige betonen, dass man so bessere, persönlichere Kontakte aufbauen konnte, womit eine Gemeinschaft entstand. Aufgrund der Kleinheit der Schule war der Einzelne keine Nummer. Viele bewerten die Atmosphäre daher als „familiär“ und „freundlich“, „sympathisch“, „überschaubar“, „kein Massenbetrieb“ und auch „sozial“. Ein Absolvent fühlte sich in unserer Schule geborgen und behütet. Man falle nicht durch die Maschen. Man kenne die Lehrer und wisse, was los ist. Im Unterricht haben Schüler das Gefühl, wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Diese Kleinheit würde auch eine Flexibilität ermöglichen (z.B. beim fächerübergreifenden Unterricht), die jedoch auch wirklich genutzt werden muss. Ein Absolvent verbindet Kleinheit auch mit „höherer Qualität“, ein anderer betont, wie wichtig das für den Fremdsprachenunterricht war.

Viele heben besonders das menschliche Miteinander hervor. Es gab mehr Teamgeist und Zughörigkeit als Konkurrenz. Der Zusammenhalt blieb dann in manchen Fällen auch nach der Matura erhalten. Es gab eine gute Atmosphäre in der Klasse und während der Pausen. Schüler lebten und arbeiteten zusammen über die Klassengrenzen hinweg. Projektwochen förderten diesen Zusammenhalt und auch Lehrer waren bemüht, nicht gegen die Klassengemeinschaft zu handeln und dieses Miteinander zu fördern. Dieses Miteinander zeigte sich für einzelne in gemeinsamen Ausstellungen. Bedingt durch das Einzugsgebiet war es auch leicht möglich, Mitschüler außerhalb der Schule zu treffen. Ein weiterer Aspekt, der auch mit diesem Miteinander verbunden ist, ist die Offenheit und Toleranz, die einzelne mit unserer Schule verbinden, und zwar bezüglich Einstellungen, Religionen, Herkunft und Behinderung.

Einige sehen jedoch auch die Kehrseite von all dem. Für sie ist die Schule eher abgeschieden, schwer erreichbar und schlecht im Ort integriert, wodurch dann auch Aktivitäten unmöglich wurden, die aus einem Schüler einen Bürger machen. Man musste sich nicht mit dem Leben außerhalb der Schule auseinandersetzen. Die Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz wird von einigen als schlecht bewertet, und wer während der Mittagspause in der Schule blieb, dessen Möglichkeiten waren sehr begrenzt. Für einen war die Bibliothek zu klein, und andere (wohl eher aus früheren Jahrgängen) betonen die schlechte Ausstattung mit Computern und den beschränkten Zugang zum EDV-Raum.

Kleinheit wird auch mit Einengung verbunden, denn der Rahmen werde spürbarer. Gerüchte verbreiten sich schnell, und Ungeliebte werden schnell ungeliebter. Es wird auf Gruppenzwang und –druck in den Klassen verwiesen, was jedoch als ein generelles Problem von fixen Klassenverbänden gesehen wird. In einem Fall spricht man sogar von Mobbing durch Mitschüler, was vom Klassenvorstand nicht erkannt und thematisiert wurde. Ein Absolvent schreibt, dass man aufgrund der familiären Atmosphäre und dem persönlichen Stolz von Lehrern bei verbalisierter Kritik oder Verfehlung fast zu Kreuze kriechen musste. So etwas gäbe es in anonymeren Schulen nicht.

2. Bemerkungen bezüglich der Fächer und der Unterrichtsinhalte

Für sehr viele ist unsere Schule ein Ort der Wissensvermittlung, ein Ort, an dem sie Zugang zu einem breit gefächerten Allgemeinwissen bekamen, das auch eine gute Vorbereitung für die weiterführende Ausbildung war. Ein Absolvent betont, dass ein „realistisches Weltbild“ geboten wurde, ein anderer bringt das auf die Formel „Allgemeinbildung gegen Fachidiotie“. Ein anderer behauptet, dass aufgrund des Mathematikunterrichts unsere Schule eine bessere Vorbereitung für ein Wirtschaftsstudium sei als eine HAK. Generell wird aber eher betont, dass wir die perfekte Schule für alle jene sind, die entweder noch nicht wissen, was sie hinterher tun wollen, oder die genau wissen, dass sie studieren werden, denn die Ausbildung ist „offen“ bezüglich aller Ausbildungswege. Die „Verpflichtung gegenüber einem ganzheitlichen, allgemein bildenden Bildungsideal“ werde möglichst umgesetzt und verfolgt. Es werde ein „ordentliches Bildungsniveau“ erreicht, wobei einige betonen, dass der Leistungsdruck sich dabei in Grenzen hielt.

Folgende Aspekte werden besonders hervorgehoben:

  • Förderung von Kreativität und Platz für Kreativität
  • Gelernt zu haben, seine Gedanken in Worte zu fassen, und sich eine Meinung bilden zu können
  • das Eingehen auf aktuelle politische und wirtschaftliche Ereignisse
  • in Bezug auf Literatur: den Umgang mit Literatur lernen, das Lesen von literarischen Werken (wie z.B. Goethe)
  • Sehr gute Ausbildung in Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen, Physik, Chemie und Biologie (Für einen Absolventen war besonders der naturwissenschaftliche Zweig eine gute Vorbereitung für die weitere Ausbildung.)
  • Weltoffenheit bezüglich Kunst und Politik
  • zukunftsorientiert durch Informatik
  • der Versuch, die unterschiedlichen Stärken von Schülern zu fördern
  • eher junge Lehrer
  • Projekte und Exkursionen, Sprachreisen (wobei eine Englandreise für diesen Absolventen ein Wunsch war)
  • der Kunst- und Werkunterricht, die Projekte und Exkursionen in diesem Bereich, die Förderung von Kreativität und Phantasie
  • das breite sportliche Spektrum
  • Unterrichtsplan genügend abwechslungsreich, ein akzeptables Angebot an zusätzlichen Fächern
  • Diskussionen, die ja auch persönlichkeitsbildend sind

Natürlich gab es auch viele Gegenstimmen, die teilweise in krassem Gegensatz zu obigen Punkten stehen. Die Liste der Kritik ist lang, wobei hier anzumerken ist, dass vieles auch von Absolventen, die der Schule durchaus sehr positiv gegenüberstehen, bemängelt wird. Ein großer Kritikpunkt, der auf unterschiedliche Art und Weise immer wieder vorgebracht wird, bezieht sich auf die Unterrichtsmethoden. Eventuell ist die bemängelte „Vorsicht gegenüber Neuem“ auch hier einzuordnen. Es wird immer wieder betont, dass es praktisch keinen fächerübergreifenden Unterricht gab, dass keine Zusammenhänge aufgezeigt wurden, sondern nur Schubladen. Ganzheitliches Denken werde nicht gefördert. Es gebe zu viel Frontalunterricht. Daher habe es auch kaum Möglichkeiten innerhalb eines Projektes gegeben, selbstständiges und wissenschaftliches Arbeiten zu erlernen (Gruppenarbeit, Präsentationen, sicheres Auftreten). Die Bibliothek sollte besser in den Unterricht integriert werden. Schüler sollten selbst vorbereiten, was später in der Stunde besprochen wird. Man sollte lernen, wie man zitiert und wie man Informationen festhält. Eigenständiges Lernen und Selbstorganisation sollten stärker betont werden, denn genau das ist später an der Universität oder Fachhochschule wichtig. Eigenständig erarbeitete Schülerprojekte wurden im Keim erstickt. Es sollte mehr Möglichkeiten geben, sich selbst einzubringen. Der Unterricht wird als „lehrergesteuert“ beschrieben. Einzelne Lehrer hielten sich auch teilweise zu streng ans Buch und gingen zu wenig auf individuelle Forderungen der Schüler ein. Ein Absolvent beschreibt seinen Unterricht als „langweilig“ und „wenig abwechslungsreich“.

Ein anderer wichtiger Bereich ist die Persönlichkeitsentwicklung. Teilweise ist das ja schon im vorherigen Absatz angeklungen. Der Schüler sollte lernen, eigene Ziele zu finden und zu definieren. Es sollte ihm geholfen werden, seine Stärken und Schwächen zu analysieren. Die persönliche Entwicklung werde jedoch nicht diskutiert und ausgelotet. Es werde zu wenig über wichtige Themen wie z.B. Kommunikation und deren Problematik, Ethik, Auswirkungen der Globalisierung, Chancen des Internet gesprochen. Es werden keine Wertigkeiten vermittelt, sondern fader Unterrichtsstoff. Es werde kaum soziale Kompetenz vermittelt. Man sollte mehr auf die zwischenmenschliche Beziehung zwischen den Schülern achten. Generell seien bei einzelnen Lehrern große pädagogische Mängel erkennbar.

Naturgemäß sind einige Kritikpunkte sehr fachspezifisch:

  • In Französisch werde Grammatik trainiert, aber nicht Konversation.
  • Die zweite Fremdsprache sei zu wenig gefestigt, um im Alltag anwendbar zu sein.
  • Der Musikunterricht wird als „uninteressant“, „undiskutabel“, „einseitig“ und „langweilig“ beschrieben. Musik im BE- und NT-Zweig sei sinnlos.
  • Der Zeichenunterricht sei nur Herumkritzeln, der Turnunterricht sinnlos.
  • In Fremdsprachen werde zu wenig Gewicht auf Kommunikation und zu viel auf Literatur, Politik etc. gelegt. Ganz schlechter Fremdsprachenunterricht.
  • Es sollte in Geographie und Geschichte mehr politische Bildung geben. Geschichte sei schlecht.
  • Biologie, Physik, Chemie etc: zu wenig Bezug zur Realität, keine bis wenig Praxis.
  • Wahlpflichtfächer sollten mehr als nur theoretischer Unterricht sein.
  • mangelnde Begleitung in den Spezialgebieten
  • Exkursionen für ALLE Zweige, nicht nur BE.

 

Folgendes wird gefordert:

  • Buchhaltung, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Angebote zu wirtschaftlichen Themen
  • noch stärkere Förderung der Sprachen, ein größeres Fremdsprachenangebot, Spanisch sollte als Alternative zu Französisch möglich sein
  • eine bessere Vorbereitung auf die Universität
  • Staatsbürgerkunde
  • bessere Vorbereitung auf eigenständiges Leben nach der Schule (z.B. Versicherungen, Studienrichtungswahl, ...)
  • das Erlernen von konkreten Fähigkeiten
  • wenig Möglichkeiten der Vertiefung in speziellen Gebieten
  • Das große Angebot der Vertiefung führt dazu, dass auch jener, der nicht vertiefen will, vertiefen muss. Nichts ist abhakbar.
  • stärkere Förderung des Sports
  • mehr Wahlfächer
  • mehr Programme lernen in Informatik

Es gibt noch vereinzelt Bemerkungen zum Leistungsniveau. Es wird auf die hohe Anzahl der Repetenten verwiesen. Viele Schüler würden die Schule nur besuchen, weil sie angenehm sei, woraus sich dann als Konsequenz die Schwächen des Unterrichts ergeben. Die Lehrer seien zu wenig fordernd, zu schnell zufrieden. Das Mittelmaß würde zu schnell akzeptiert.

3. Die LehrerInnen

Einige Absolventen betrachten die Lehrer zum Teil bzw. großteils als engagiert und kompetent. Für einen Absolventen waren einige sogar „hervorragend“. Einzelne hätten eine gute pädagogische Kompetenz und versuchten auch neuen Ansprüchen gerecht zu werden. Immer wieder wird das gute Verhältnis von Schülern und Lehrern betont. Hervorgehoben wird auch der persönliche außerschulische Kontakt zu (einzelnen) Lehrern. Für einen Absolventen war die Betreuung sogar perfekt. Sie hätten ein offenes Ohr für Anliegen und handelten in kritischen Momenten und fällten gute Entscheidungen. Andere schreiben, dass die Lehrer sich Zeit für den Einzelnen nehmen. Die Freude am Fach sei noch spürbar und motivierend. Man konnte die Lehrer als Persönlichkeit und menschlich kennen lernen. Diskussionen waren möglich, selbst wenn gegensätzliche Standpunkte vertreten wurden. Auch die faire Beurteilung der Leistung wird erwähnt. Ein Absolvent schreibt, dass gewisse Lehrer den Schülern beigebracht haben, selbstbewusst und eigenverantwortlich zu sein und sie aufs reale Leben vorbereitet hätten. Sie hätten die konservativen Grenzen Vorarlbergs gesprengt und Schüler gelehrt „ich selbst zu sein“.

Die negativen Aspekte betreffen u.a. die pädagogischen Fähigkeiten einiger Lehrer. Obwohl ihnen zugestanden wird, dass sie gut ausgebildet sind, wird bemängelt, dass sie dieses Wissen nicht an die Schüler weitergeben können, es ihnen nicht begreifbar machen können. Ein Absolvent meint, dass der Frontalunterricht zwar schlecht war, aber dann doch irgendwie eine Vorbereitung für die UNI war. Der Mangel von pädagogischen Fähigkeiten zeigte sich für einzelne Absolventen auch darin, dass Lehrer z.B. zu wenig Feingefühl zeigten (Für einen waren sie in zwischenmenschlicher Hinsicht eine Katastrophe.), zu großen Leistungsdruck ausübten, zu wenig Toleranz gegenüber Schülern zeigten, mit verschiedenem Maß maßen. Sie konnten nicht motivieren, und man wusste nicht, warum man nun etwas auswendig lernen sollte. Die Persönlichkeit des Schülers wurde ignoriert und kreative „nicht JA-Sager“ wurden als Problemschüler behandelt. Angst wurde als Druckmittel eingesetzt. Die Beschreibungen sind hier teilweise sehr drastisch. „Manche Lehrer waren Psychopathen, die Spaß daran hatten, den Schülern das Leben schwer zu machen und die Freude am Fach zu verderben.“ Ein anderer Absolvent sprach von „Schüler-Mobbing“ und schrieb, dass einzelne Schülern wegen nur einem Lehrer die Schule verließen.

Weitere Aspekte werden hier nur stichwortartig aufgelistet:

  • Einstellung und Persönlichkeit einzelner Lehrer: Zu konservativ; ohne Mut zu unterrichten; kein positives Schülerbild;
  • herablassend; lässt nur eigene Meinung gelten; predigt Toleranz, handeln aber nicht danach; ausgepowert; engstirnig und unflexibel; nicht streng genug; alt;
  • Eindruck von der Beziehung der Lehrer untereinander: Für einzelne war das positiv, aber andere sahen hier Konkurrenzkampf, Gruppenbildung und die Bevorzugung gewisser Lehrer. Einzelne schwärzten andere vor Schülern an, was als schlechtes Vorbild bewertet wird.
  • Unterrichtsstil: Zu wenig Teamarbeit und Vernetzung unter den Lehrern; man versucht nur den Stoff durchzubekommen ohne Rücksicht auf Schüler und andere Fächer; manche unterrichteten aus dem Bauch und hatten kein Gefühl für eine interessante Unterrichtsgestaltung. Diese wird auch als „mangelhaft“ beschrieben und teilweise seien Lehrer einfach auch überfordert gewesen.
  • Man reagiere nicht auf offensichtliche Probleme und handle nicht bei „Problemlehrern“.
  • Es werde zu viel Wert auf Tradition gelegt, und man sei wenig offen für Neues.
  • Teilweise realitätsfremde Ansichten (z.B. es gäbe keine Drogen in der Schule)

4. Schulorganisation

Besonders wichtig für die Absolventen war, dass das BORG ein schneller Weg zur Matura ist. Wichtig ist auch, dass die Zweige und die Wahlfächer eine individuelle Förderung ermöglichen. Im Gegensatz zu HAK oder HTL habe man im BORG nicht übertrieben viel Unterricht, wodurch noch ausreichend Freizeit bleibe. Es gebe viele Möglichkeiten für Interessierte, und man sei offen für junge Ideen. Ebenfalls oft positiv hervorgehoben werden: die Integrationsklassen mit Behinderten, die Kleingruppen und die Möglichkeit, Ausstellungen zu machen.

Negative Aspekte

a) das System und die Organisation betreffend: Man lernt, was man später nicht braucht. Es gab zu wenig Praxis. Die Maturaorganisation war schlecht. Eine Langform wäre besser als eine „isolierte Oberstufe“.

Die Wochenstunden waren unglücklich verteilt, und es gab zu wenig Freiheit. Es gab keinen verpflichtenden vierjährigen Informatikunterricht. Weil es keine Fachwahl gibt (wie an der UNI), ist man einem Lehrer auf Gedeih und Verderben ausgeliefert, was vor allem bei Problemlehrern kritisch ist. Es ist ungerecht, dass ein Lehrer den Aufstieg eines Schülers in die nächste Klasse verhindern kann.

Schülerinitiativen sollten unterstützt, nicht bekämpft und unterdrückt werden. Die Mitgestaltung ist schwierig: so war z.B. Spanisch statt Italienisch nicht möglich, obwohl das wahrscheinlich an größeren Schulen kein Problem gewesen wäre. Trotzdem wird bezweifelt, dass größere Schulen flexibler sind. In kurzer Zeit muss viel Wissen vermittelt werden, wodurch natürlich auch notwendiges Wissen auf der Strecke bleibt. Es ist ein Schulsystem, das persönliche Stärken nicht fördert. Bemängelt werden auch der Leistungsdruck und der Lehrplan. Ein Absolvent wünscht ein flexibleres System, mit einer stärkeren Übertragung der Verantwortung und Freiheiten an die Schüler.

Die Schule ist nur für jene wirklich geeignet, die später studieren wollen. In der HAK oder HTL hat man mit nur einem zusätzlichen Jahr auch einen Beruf. Andererseits wäre die HAK für ein Wirtschaftsstudium nicht unbedingt eine bessere Vorbereitung. Hier war man als BORG-Absolvent in Mathematik bestens gerüstet.

b) die Leitung betreffend: Einige Absolventen (4) kritisieren den Direktor bzw. seinen Führungsstil. Einmal wird "Engstirnigkeit und Unflexibilität" in der Verwaltung bemängelt, auch mehr Mitspracherecht und Mitentscheidungsrecht in Organisatorischem wird gewünscht.

c) die Aufnahme betreffend: Man nimmt ALLE in die 5. Klasse auf, was bunt gemischte Klassen ergibt, die einerseits „interessant“ sind, andererseits aber auch „rufschädigend“.

5. Sonstiges

Positives

Das BORG ist eine aktive Schule, die bei verschiedenen Veranstaltungen und Projekten mitmacht. Es gibt auch Aktivitäten von Schülern und Lehrern abseits des Schulbetriebs. In der Borgwerkstatt lernt man soziale Kompetenz, bekommt einen privaten Kontakt zu Lehrern, hat ein Freizeitangebot in bekannter Umgebung und eine vernünftige Freizeitgestaltung. Die Schule hat einen guten Ruf. Es gibt kaum Drogenprobleme. Es gibt Uschi und Willi.

 

Negatives

a) Die Zeit in der Schule war leicht, aber danach war’s ein Alptraum, weil man plötzlich so viel Zeit investieren musste.

b) Es sollte mehr Entscheidungshilfen für Unentschiedene geben, mehr Information über die Möglichkeiten danach.

c) Zukünftige Stundenkürzung sollten nicht die Hauptfächer, sondern Fächer wie Musik, Zeichnen oder Religion betreffen.

d) Das BORG Götzis ist nicht präsent genug. Es braucht mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Image-Pflege (Wer sind wir? Wodurch heben wir uns ab?)

e) Unterländer wurden anfangs nicht fair behandelt. Der Busfahrer wartete anfänglich nicht auf sie, und der Direktor glaubte ihnen nicht.

f) Es sollte eine Anlaufstelle für Schüler geben, die mit dem Leistungsdruck und der Konkurrenz nicht fertig werden.

g) Es sollte unter den Schülern Lerngruppen geben, in denen auch der Lehrer für eine kurze Zeit zur Verfügung steht, um verbliebene Unklarheiten zu erklären.

h) Es sollte gemeinsame Tage geben, in denen die Klasse zusammenwachsen kann.

Wahl des Schultyps

1. Würdest du dich nochmals für den Besuch eines Gymnasiums entscheiden? Wenn nein, warum nicht?

47 Absolventen würden einen anderen Schultyp besuchen, würden sie erneut vor der Wahl stehen. Das entspricht 27,81%.

Die Gründe für bzw. gegen ein Gymnasium decken sich weitgehend mit jenen, die schon bei den Fragen zu den Stärken und Schwächen des BORG genannt wurden. Es ist wichtig zu betonen, dass jene, die kein Gymnasium mehr besuchen würden, diese Entscheidung aus ihrer gegenwärtigen Sicht fällen würden. Sie befinden sich in einer Ausbildung und wissen nun, was für sie hilfreich wäre, was ihnen von der Schule her fehlt. Naturgemäß sind das dann oft fachspezifische Wünsche (wie z.B. Buchhaltung).

Die häufigsten Gründe, warum man sich wieder für ein Gymnasium entscheiden würde, sind: (die gute) Allgemeinbildung, alle Wege stehen offen, gute Voraussetzung für das Studium bzw. die Weiterbildung und der schnelle Weg zur Matura. Weniger häufig genannt werden: eine gute Basis für die naturwissenschaftliche Ausbildung, die Förderung eigenständigen Denkens, ein guter Ausbildungsweg für Leute, die nicht genau wissen, was sie wollen. Vereinzelt angeführt werden: Förderung der Kreativität, Musik, Sprachlabor, gute Klassengemeinschaft, familiäres Schulklima, schöne Zeit, viele Freiheiten, keine Spezialisierung, gut für die persönliche Entwicklung, gut zum Herausfinden eigener Stärken und Schwächen, das sehr gute Lehrer-Schüler-Verhältnis, angemessenes Niveau ...

Die wichtigsten Gründe, warum man sich gegen ein Gymnasium entscheiden würde, sind: keine Berufsausbildung mit der Matura, mit AHS-Matura hat man auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen, es gibt bessere Vorbereitungen für den gegenwärtig gewählten Ausbildungsweg (z.B. fehlende wirtschaftliche Basiskenntnisse), man ist auf eine weitere Ausbildung angewiesen. Nur vereinzelt erwähnt werden: die Ausbildung bringt für die Zukunft nichts, Mobbing, fehlender Praxisbezug ...

2. Welcher Schultyp würde statt eines Gymnasiums bevorzugt werden?

Es würden großteils berufsbildende Schulen bevorzugt. Das Ergebnis:

HAK (19 Nennungen), HTL (12), BHS (6), HLW (4), Tourismusfachschule (3), BAKIP (1)

Gymnasien mit Schwerpunkten: Europagymnasium (1), Musikgymnasium (1), Schule nach englischem System (1)

Persönliche Anmerkungen

Die Anmerkungen hier sind eigentlich auch Wiederholungen der Punkte im Abschnitt "Stärken und Schwächen des BORG". Die Absolventen betonen vor allem die positive Erinnerung an die Schulzeit und dass Freundschaften geschlossen wurden, die auch über die Schulzeit hinaus halten. Es scheint, dass es besonders wichtig für sie war, dass man sich im Klassenverband wohl fühlt, weshalb auch gefordert wird, dass sich der Klassenvorstand mehr für eine gute Klassengemeinschaft einsetzt. Viele haben auch positive Erinnerung an gewisse Lehrer. Alles andere sind eigentlich nur Einzelnennungen, wie z.B. die gute Erinnerung an die Borgwerkstatt, eine gute Persönlichkeitsentwicklung, man lernt die eigene Meinung sagen etc. Einzelne negative Anmerkungen sind: Man soll sich mehr um die Schüler kümmern, Berufsentscheidung danach ist schwierig, man geht zu wenig auf den Einzelnen ein, ...

Fragen zur Person

1. Ausbildungswege und Berufswahl

Einige arbeiten zwar bereits, sind aber gleichzeitig auch noch in einer Ausbildung. Es gibt auch ganz wenige, die direkt nach der Schule einen Beruf ergriffen haben.

Einige Zahlen dazu:

47 Absolventen würden eine andere Schule besuchen, würden sie erneut vor der Wahl stehen. Das entspricht 27,81%.

71 Absolventen sind berufstätig (42,01%).

86 sind im Moment in Ausbildung (50,88%).

16 sind direkt nach der Matura in einen Beruf eingestiegen (9,46%).

12 haben eine Lehre absolviert (7,1%).

139 haben eine höhere Ausbildung zumindest begonnen (82,25%).

40 gaben an einen "Irrweg" gegangen zu sein, wobei das nicht unbedingt als negativ gesehen wird (23,66%).
Offensichtlich kommt es hier zu Überschneidungen, d.h. Absolventen, die bereits berufstätig sind, sind auch gleichzeitig noch in Ausbildung.

 

Eine Auflistung der Berufe, die gegenwärtig von Absolventen ausgeübt werden (inkl. Lehrberufe):

Gesundheitswesen und sozialer Bereich: Krankenschwester (4), Arzt (2), Physiotherapeut/in, dipl. Behindertenpädagogin, Psychologe, Logopädin, Sozialpädagogin

Ausbildungswesen: Volksschullehrer (3), Hauptschullehrer (1), Lektorin an einer Fachhochschule, Lehrer, Musikschullehrerin

Wirtschaft und Dienstleistung: Schlosser, Großhandelskauffrau (2), Sachbearbeiterin (3), Büroangestellte, Personalmanagerin, Bankangestellter (2), Buchhändler, Geschäftsführerin, kaufmännischer Angestellter, Unternehmensberater, Projektmanager, EDV-Leiter, Versicherungskauffrau, Reisebüroassistentin, Bürokauffrau, Shop Manager Assistant, Telekommunikationsverkäufer, Apotheker,

Technischer Bereich: Architectural Assistant, EDV-Techniker, Diplomingenieur, Pharmazeutin, Systemadministrator, Konstrukteur

Künstlerischer Bereich: Grafiker, Klarinettistin, selbstständiger Mediengestalter,

Sonstiges: Hausfrau und Mutter, Gendarmeriebeamter, Tennislehrer

 

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